Ach, das ist schon so eine Sache mit der Liebe, diese malerische Definition von der Liebe in 1. Korinther 13 ist wirklich wunderbar!

Schöner fände ich es, wenn die Umsetzung dieser wunderbaren Liebe in meinen Alltag auch so zum Tragen käme. Aber meine Realität ist leider nicht so malerisch perfekt. Es beginnt schon damit wenn es heißt: Die Liebe ist geduldig. Obwohl ich einen relativ langen Atmen habe, ertappe ich mich manchmal dabei, dass es mit der Geduld nicht gerade so prickelnd ist, wenn sich z.B. die Gespräche mit dem Patienten nur im Kreis drehen, oder sich bestimmte Therapien ewig hinziehen, weil der Patient nicht kooperativ mitwirkt z.B. wenn Wunden sich wieder verschlechtern, weil  jmd. regelmäßige Wundpflege verweigert  … ich möchte dann doch ganz gerne mal auf den Punkt oder zum Abschluss kommen.

Oder wenn es weiter heißt: die Liebe ist freundlich… Freundlichkeit ist ja ein Grundtenor in unserer Arbeit, aber manchmal erwische ich mich dabei – besonders wenn ich selber etwas müde oder gesundheitlich angeschlagen bin – dass es mir schwer fällt, die zweite Meile der Freundlichkeit zu gehen. Ganz konkret wenn z.B. manche Patienten gar keine Lust haben, dass ihnen geholfen wird, wenn ihnen alles was wir tun gleichgültig zu sein scheint, oder wenn einige ständig herum kommandieren: `…jetzt mach mal dies oder jenes` – auch wenn es eigentlich nicht zu unseren Aufgaben gehört. Dann freundlich zu bleiben und nicht eine genervte Mine zu ziehen, ist eine Kunst für sich!

Ziel in der Pflege ist es (u.a. laut Pflegestandard) ja,  die Selbständigkeit unserer Patienten so gut wie möglich zu erhalten und ihnen nicht alles abzunehmen.

Manche Patienten machen da nicht mit, sie lassen sich gerne bedienen und haben viele Extrawünsche.  Sie deshalb innerlich aufzugeben, weil sie „dem Pflegestandard“ nicht folgen, ist keine Lösung, wo bliebe dann die Liebe und die Barmherzigkeit?

Aber dann gibt es wieder Momente, in denen ich mit den Patienten lachen kann und Momente, in denen mein Blick nach oben geht.  In meinen Herzen wird  deutlich, dass Gott mit mir so oft die Extrameile der Liebe geht, wie er sie auch am Kreuz schon gegangen ist. Ich kann dann nur sagen:

`Ja Herr, danke dafür und erfülle mich neu mit Deiner Liebe für unsere Leute!‘

Dass ich nicht perfekt bin und sich diese Liebe nicht in allen Dimensionen in meinem Leben zeigt, ist mir bewusst. Aber ich lerne immer wieder, wie wichtig es ist, an die Quelle der Liebe angedockt zu bleiben, damit diese Liebe, die Extrameilen geht, weiter gegeben werden kann.